Dein Körper ist Dein wichtigstes Instrument

Musizieren beginnt im Körper! Flötistin und Expertin für Musikergesundheit Ute-Gabriela Schneppat zeigt, wie Du mit Warm-up, Pausen, Haltung & Achtsamkeit gesünder, effizienter und ausdrucksstärker übst. Entdecke, wie Dein Körper zum Schlüssel für nachhaltigen musikalischen Erfolg wird – schmerzfrei, fokussiert und mit Freude am Instrument.
Was war das erste menschliche Instrument? Der Körper!
Unsere Vorfahren klatschten in die Hände, stampften mit den Füßen, summten und sangen – so begann die Entwicklung der Musik. Später entdeckten sie, dass Knochen und Steine beim Aufschlagen faszinierende Klänge erzeugen, bevor sie schließlich vor ca. 30.000 Jahren die ersten Flöten aus Knochen bauten. Die Musik entwickelte sich ständig weiter, wurde bunter und ausdrucksstärker. Doch eines ist bis heute geblieben: der Körper ist das wichtigste Instrument eines jeden Musikers.
Musizieren ist weit mehr als das Beherrschen eines Instruments oder der Stimme – Dein eigentlicher Hauptakteur bist Du selbst, mit Deinem Körper. Egal, welches Instrument Du spielst, ob Du singst, Klavier spielst oder zur Gitarre greifst: Deine Haltung, Deine Atmung, Deine Koordination und innere Balance entscheiden darüber, wie gut Du Dein musikalisches Ausdrucksvermögen entfalten kannst. Wer langfristig gesund musizieren möchte, sollte daher nicht nur an Technik und Interpretation arbeiten, sondern vor allem auch den eigenen Körper bewusst wahrnehmen und pflegen.
Eine zentrale Rolle dabei spielt der Aufbau Deines Übens. Schließlich verbringen wir über die Jahre eine enorme Zeit am und mit unserem Instrument. Wenn 1 Stunde pro Tag geübt wird, sind es 365 Stunden im Jahr – und 15,21 Tage à 24 Stunden. In 60 Jahren macht das (Schaltjahre eingerechnet) 21915 Stunden Üben. Das sind dann 913 Tage oder ganze 2,5 Jahre à 24 Stunden. Eine beeindruckende Zahl! Natürlich üben wir nicht kontinuierlich jeden Tag genau eine Stunde. Und wenn Du professionell Musik machst, kommen wir mit einer Stunde am Instrument beileibe nicht aus. Im Studium habe ich durchschnittlich 6 bis 7 Stunden pro Tag am Instrument verbracht. Später, mit technisch ausgefeiltem Können und entsprechendem Repertoireaufbau wurde die tägliche Übezeit deutlich niedriger. Trotzdem: es kommt in einem Musikerleben eine stattliche Anzahl an Übezeit zusammen. Umso wichtiger ist es, den Körper und auch den Geist fürs Spielen fit zu machen. Nur so ist es Dir möglich, auf Dauer möglichst schmerzfrei und mit Freude Deiner Passion nachzugehen. Denn seien wir mal ehrlich: wenn wir unter Schmerzen spielen müssen, vergällt es uns die Freude an der Musik. Und das braucht niemand!
Die Struktur einer gesunden Übe-Session
Kommen wir nun zum Eingemachten! Eine effektive Übe-Einheit sollte klar strukturiert sein und aus drei essenziellen Teilen bestehen: Warm-up, Hauptteil und Cool-down.
1. Warm-up – Den Körper und Geist auf das Üben vorbereiten
Ein gutes Warm-up sorgt dafür, dass Du entspannt und konzentriert ins Üben startest. Es hilft, Verspannungen und damit auch Schmerzen zu vermeiden und Deine Bewegungen effizienter zu machen. Und das Warm-up umfasst ganz viel mehr als nur das Einspielen am Instrument. Bevor Du mit Deinem Instrument loslegst, solltest Du Deinen Körper und Deinen Geist auf die bevorstehende Übe-Einheit vorbereiten.
Körperliche Aktivierung: Leichte Dehnübungen oder Mobilisationsübungen für Schultern, Arme und Hände – je nach Instrument oder Stimme.
Atemübungen: Gerade für Bläser, Sänger oder Streicher wichtig, um die Atemführung zu optimieren. Aber auch für alle anderen Instrumentalisten von Vorteil – denn mit einer gut geführten Atmung kann man viel konzentrierter arbeiten. Außerdem helfen Atemübungen gut, den Kopf freizubekommen. Und das kommt dem Üben sehr zugute.
Mentale Fokussierung: Eine kurze Achtsamkeitsübung oder Visualisierung, um sich bewusst auf das Üben einzulassen, hilft Dir, fokussiert ins Üben einzusteigen. Dann erst geht es sinnvollerweise mit den klassischen Einspielübungen am Instrument los.
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2. Effizient und gesund üben
Jetzt geht es ans eigentliche Üben – aber mit Struktur und Achtsamkeit.
Gezielte Abschnitte setzen: Das sollte die Grundvoraussetzung sein. Anstatt wahllos das gesamte Stück zu spielen, sollte das Üben strategisch erfolgen. Bewährte Methoden dafür sind z. B. (kein Anspruch auf Vollständigkeit): Intervall-Methode, rhythmische Variationen, im Wechsel langsames und schnelles Passagen-Üben, mentales Üben, zielorientiertes Wiederholen, Kettenüben, Variation der Artikulation und Dynamik. Am besten planst Du Deine Übe-Session mit klaren Übezielen vor. Tipp: reserviere Dir am besten ein festes Zeitfenster im Kalender für Deine Übe-Planung. So geht dieser sinnvolle Schritt nicht in der Hektik des Alltags unter und wird zur Routine. Du wirst nach kurzer Zeit sehen, wie viel mehr Du von Deinen Übe-Einheiten profitierst.
Pausen einplanen: Ja, auch Pausen sollte Dein Übe-Plan unbedingt enthalten. Du kannst nicht stundenlang hochkonzentriert arbeiten. Dein Körper wechselt Phasen hoher Intensität mit Phasen niedriger Intensität ab. Orientiere Dich in Deiner Pausen-Planung am BRAC-Rhythmus (Basic Rest-Activity Cycle) – dann nutzt Du die Phasen, in der Du eh nicht gut intensiv arbeiten kannst für Deine notwendige Pause. So kannst Du Erschöpfung vorbeugen und vermeidest Überlastung. Also: Etwa nach 45 Minuten eine Mikro-Pause mit z. B. einer kurzen Dehnübung einlegen und nach weiteren 45 Minuten eine ca. 10-minütige Pause gönnen.
Dynamische Haltung: Es geht nicht darum, einfach nur entspannt zu sitzen oder zu stehen, sondern die Körperspannung gezielt in jene Regionen zu lenken, die für die Haltearbeit Deines Körpers zuständig sind. So bleibt der Oberkörper frei beweglich, Arme und Finger können differenziert und mühelos agieren. Dies gilt sowohl für Instrumentalist:innen als auch für Sänger:innen, die ihre Körperbalance für eine freie Stimmführung optimieren müssen.
3. Cool-down – Den Körper wieder in Balance bringen
Nach dem Üben einfach alles wegzulegen und weiterzumachen, ist keine gute Idee. Ein Cool-down hilft, etwaige Verspannungen zu lösen und den Körper in eine gelockerte Ausgangsposition zurückzuführen. Auch falls Du zu denjenigen gehörst, die (fast) keine Verspannungen durchs Üben bekommen: dein Körper erbringt beim Üben Hochleistung und sollte danach gezielt entlastet werden. Nur dadurch gewährleistest Du, dass Dein Körper fit und gesund bleibt – und bereit für die nächste Übe-Einheit.
Dehnübungen sind hierfür natürlich ideal – besonders für Schultern, Arme, Hände und Rücken. Oder gönne Dir eine entspannende Finger- und Handmassage. Um nach intensiver Konzentration den Geist zu entspannen, helfen z. B. auch entspannende Atemübungen großartig. Nimm Dir auch Zeit für eine kurze Reflexion: Was lief gut? Was möchte ich beim nächsten Mal anders machen? Dieser Zeitpunkt wäre auch prima geeignet, den Übe-Plan für die nächste Übe-Einheit zu erstellen.
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Fazit: Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Dein Körper ist Dein Hauptinstrument – je besser Du ihn pflegst, desto leichter und gesünder wird Dein Musizieren.
Strukturiertes Üben mit Warm-up, Hauptteil und Cool-down hilft, Überanstrengung zu vermeiden und effizienter zu üben.
Unterschiedliche Übemethoden sorgen für gezielten Fortschritt und mehr Abwechslung.
Pausen sind essenziell – sie verhindern Überlastung und steigern die Konzentration (BRAC-Rhythmus beachten!).
Eine dynamische Haltung ermöglicht freie Beweglichkeit und effiziente Kraftnutzung.
Achtsamkeit und bewusste Körperwahrnehmung machen den Unterschied zwischen gesundem und belastendem Üben.
Wenn Du diese Prinzipien berücksichtigst, wirst Du nicht nur gesünder, sondern auch effizienter üben – und Dein musikalischer Ausdruck profitiert gleich mit!
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Üben & Gesundheit in Journal & Campus
Ute-Gabriela Schneppat
Ute-Gebriela Schneppat ist Flötistin, Flötenlehrerin, Expertin für Musikergesundheit und Stressmanagement.
Sie liebt es, ihr Publikum mit mitreißender Musik abseits des Mainstreams zu begeistern und ist stets auf der Suche nach neuen, unbekannten Stücken – besonders aus der Feder von Komponistinnen.
Ihre Spezialität als Instrumentalpädagogin ist gesundes Musizieren von Anfang an. Seit über 20 Jahren hilft sie Musikerinnen und Musikern, schmerzfrei und mit Freude zu musizieren.















